Modus Anomali - Gefangen im Wahnsinn


  • Originaltitel: Modus Anomali
    Herstellung: Indonesien, 2012
    Regie: Joko Anwar
    Darsteller: Rio Dewanto, Hannah Al Rashid, Aridh Tritama
    Genre: Horror
    Laufzeit: ca. 87 Min.
    Freigabe: Deutschland: FSK 18
    Kinostart:
    Offizielle Seite: hier
    Asia Movie Club Wiki: hier


    Veröffentlichungen:


    BluRay Deutschland: 05.04.2013 (Mad Dimension)
    DVD Deutschland: 05.04.2013 (Mad Dimension)


    Inhalt:


    Ein Mann wacht in einem Wald auf. Er kann sich an nichts erinnern. Auf der Suche nach seiner Identität muss er sich einem mysteriösen Killer stellen.
    Verstörender Horror-Schocker mit einem außergewöhnlich grausamen Ende!


    Quelle BBCodeQuelle: Al!ve


    Trailer:



    Bilder:





  • Wenn man sich das mal vorstellt, dass einem das selbst passieren könnte. Man wacht auf einmal irgendwo im nirgendwo auf und weiß nicht wie man dorthin gekommen ist und was passiert ist. Und auf einmal macht jemand Jagd auf einen. In so einer Situation weiß man auch nicht wer hier Freund oder Feind ist. Man muss sich vor allem in Acht geben, denn jeder kann es auf einen abgesehen haben.


    Die Geschichte ist keineswegs neu, sondern wurde wieder hochgeholt. Aber Filme aus Indonesien haben ab und an einen gewissen Reiz. So auch hier. Dem Zuschauer wird man natürlich im dunkeln gelassen und es gibt so gut wie keine Erklärungen. Der Mann versucht um sein Leben zu rennen und irgendwie von dort weg zu kommen. Erst am Ende kommt es zu einem Storytwist, den man so niemals erwartet hätte. Es ist mal etwas anderes, das so sicherlich auch noch nicht da war. Immerhin lässt man sich etwas einfallen und nimmt nicht eine alte Story und macht einen neuen Film daraus.


    Wirklich gewalttätig ist der Film nicht. Hier und da fließt natürlich etwas Blut und es wird härter, aber die eigentliche Härte spielt sich im Kopf ab. Denn was kann einem hier erwarten und gibt es doch noch Überraschungen? Modus Anomali hat die Geschichte nett verpackt und gut umgesetzt. Bei den Zuschauern könnte die Meinungen gut auseinander gehen, da nicht jeder mit dem Twist zurechtkommen würde, aber im großen und ganzen eine guter Film.




    7 / 10


    https://www.youtube.com/watch?v=aqouimYqynY




    Screenshots






  • Mit einem Budget von gerade einmal 200.000$ kann man diesen indonesischen Horror-Thriller zu den absoluten Low Budget Produktionen zählen, wobei das keinesfalls als negative Kritik aufzufassen ist. Die spärliche Ausstattung des Szenarios ist in diesem Fall nämlich auch ein Grund dafür, das sich während der Laufzeit ein sehr intensives-und beklemmendes Gefühl beim Zuschauer breit macht, das man bis zum Ende der Geschichte nicht mehr los wird. Rein inhaltlich beinhaltet das Geschehen dabei nichts sonderlich Neues, es wird einem einmal mehr ein Protagonist ohne Erinnerung präsentiert, der sich im Laufe der Zeit durch immer mehr zum Vorschein kommende Puzzle-Teilchen an das erinnern kann, was ihm passiert ist. Nun hört sich das im ersten Moment sicherlich nicht sonderlich innovativ an und der Film scheint in den ersten 60 Minuten auch die übliche Richtung eines Backwood-Slashers einzuschlagen, doch der dann auftretende Plot-Twist der letzten Minuten verabreicht "Modus Anomali" eine Richtungsänderung, durch die sich die Geschichte wohlwollend von anderen Genre-Vertretern abhebt und dem Betrachter doch noch einige Überraschungs-Momente bietet, die man nicht vorhersehen konnte.


    Phasenweise erscheint die Geschichte wie eine Art Kammerspiel in einem dichten Waldgebiet, was für einige Leute bestimmt etwas gewöhnungsbedürftig ist. Zudem ist die Erzählweise eher sehr ruhig gehalten und im Prinzip passiert auch nicht wirklich viel. Das mag sich nun eher etwas langweilig anhören, doch wenn man einmal von der Situation ausgeht in der sich die Hauptfigur befindet, entfaltet das Szenario dennoch eine äußerst beklemmende-und dichte Atmosphäre, so das man die ganze Zeit über unter einer gewissen Anspannung steht, da man nicht erahnen kann wie die ganzen Ereignisse zusammenhängen. Man steht auf dem gleichen Wissensstand wie die Hauptfigur und fiebert förmlich der Auflösung des ominösen Geschehens entgegen, auf das man sich keinen Reim machen kann. Nun könnte man aufgrund der hohen Alterseinstufung von einem harten-und blutigen Horror-Thriller ausgehen, doch im Bezug auf explizite Gewaltdarstellungen hält sich das Werk von Joko Anwar eher sehr bedeckt. Die Tötungen werden zumeist lediglich angedeutet und dennoch entfaltet sich ein ziemlich starker Härtegrad, der sich allerdings im Kopf des Betrachters abspielt.


    Durch diesen Aspekt wird "Modus Anomali" die Meinungen der Horror-Fans sicherlich in zwei Lager spalten, denn während die einen den Film als langweilig einstufen, eröffnet sich für die anderen das nahezu perfekte Kopf-Kino, da sich die eigentliche Brutalität der Story fast ausschließlich in der Fantasie des Zuschauers abspielt. Dabei muss man jedoch auch dazu in der Lage sein, sich gänzlich auf die Ereignisse einzulassen, da sich nur über diesen Weg die ganze Intensität des Geschehens zu erkennen gibt. Gorehounds werden hier definitiv nicht auf ihre Kosten kommen, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen offenbart die Story keinerlei visuelle Härte. Dafür bekommt man jedoch eine atmosphärisch absolut gelungene Low Budget-Inszenierung geboten, die einem das ein-oder andere Mal auch eine gepflegte Gänsehaut verpasst. Auch im darstellerischen Bereich wird man mit solider Kost bedient, wobei das Geschehen den Schauspielern auch keinerlei Glanzleistungen abverlangt, da die Ereignisse ganz einfach nicht dafür ausgerichtet sind.


    Alles zusammengenommen kann man von einem sehr gelungenem Film ausgehen, der für sein extrem geringes Budget wirklich gut zu unterhalten weiß. Man sollte jedoch von Beginn an wissen, das hier keinerlei visuelle Brutalität zu erwarten ist, was man aufgrund der 18er Einstufung durchaus vermuten könnte. Vielmehr präsentiert sich eine ruhig erzählte Geschichte in der die brutalen Passagen lediglich angedeutet werden und es dann der Fantasie des Betrachters überlassen, ob man sich auf die Situation einlassen kann. Wenn dem so ist dann entfaltet sich ein ziemlich hoch angesiedelter Härtegrad im Kopf des Betrachters, der durch die Story-Wendung am Ende einen extrem bitteren Beigeschmack hinterlässt. Mir persönlich hat der Film sehr gut gefallen, denn ich mag ganz einfach diese Geschichten, bei denen sich ein Großteil des Geschehens im eigenen Kopf abspielt. Freunde von bluttriefenden Geschichten sollten allerdings genau überlegen ob "Modus Anomali" für sie geeignet ist, denn in dieser Beziehung kocht das Szenario auf absoluter Sparflamme.



    Fazit:



    "Modus Anomali" ist ein weiterer gelungener Beitrag aus dem asiatischen Raum, der nicht auf explizite Gewaltdarstellungen, sondern auf die Fantasie des Zuschauers ausgelegt ist. Wer dazu in der Lage ist sich in die Ausgangssituation der Hauptfigur hineinzuversetzen wird mit einem intensiven Film-Erlebnis belohnt, das durch seinen Plot-Twist am Ende einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Wer aber eher auf jede Menge Blut und Splatter-Passagen erpicht ist wird eher eine Enttäuschung erleben, denn in dieser Beziehung hält man sich äußerst bedeckt.



    7/10

  • MEINE MEINUNG :

    Genre-Filme aus Indonesien sind ja auch eher rar gesäht und bei diesem Land fallen einem höchstens Titel wie MACABRE, THE RAID oder VIRGIN BEACH CREATURE ein, die in der letzten Zeit die deutschen Heimkinos erreichten.
    Zwar gab es ja unzählige Filme von "Rapi Film" und erfahrenen Exploitation Fans ist der Name Barry Prima durchaus ein Begriff - doch dem ungeschulten Filmfan sind Titel wie BLIND WARRIOR, VIRGINS OF HELL, TARZAN RAJA RIMBA, THE STABILIZER oder MAHKLUK DARI KUBUR wohl eher nicht geläufig.


    Auch der Regisseur Joko Anwar (JONI'S PROMISE, DEAD TIME, THE FORBIDDEN DOOR), der zwar in der Zeit von 2005 bis 2012 schon 4 Filme gedreht hat, ist hier zu Lande eher unbekannt.
    Mit MODUS ANOMALI legt Anwar nun seinen vierten Film vor der mit DEAD TIME und THE FORBIDDEN DOOR eine lose zusammenhängende Horrortrilogie bildet und durchaus zu überzeugen weiß.
    Man braucht hier aber keine Zweifel bezüglich der Kontinuität zu haben, da die Verbindung von MODUS ANOMALI und den vorangegangenen 2 Filmen nur marginal ist - auch ich habe nur MODUS ANOMALI gesehen und er war trotzdem Verständlich.


    Wenn man sich nun die Inhaltsangabe durchliest liegt man richtig in der Annahme das der Grundplot von MODUS ANOMALI nichts komplett neues bietet - eine Person oder Gruppe die ohne jegliche Erinnerung aufwacht und nicht weiß wo sie sich befindet.
    Allgemein betrachtet kann diese Konzept aber die Horrorfans immer wieder begeistern und so funktioniert dies auch bei MODUS ANOMALI.
    Man kann durchaus sagen das MODUS ANOMALI in den ersten 30 Minuten ein Solo-Kammerspiel ist, das vom Hauptdarsteller Rio Dewanto bestens getragen wird - er verkörpert seinen Charakter sehr glaubwürdig und verfügt durchaus über schauspielerische Qualitäten.


    Nach diesem anfänglichem Solospiel kommen dann noch ein paar andere Charaktere hinzu die auch unbefangen und überzeugend agieren - den leicht dilettantischen Beigeschmack bei diesen Mimen ist der deutschen Synchro aufzubürden.
    Sicherlich ist das Verhalten der Charaktere im Film nicht immer komplett nachvollziehbar, doch auch für dies gibt es eine Erklärung die recht plausibel ist.
    Regisseur Joko Anwar ist nämlich - wie sein "Lost Highway" Schriftzug Tattoo das seinen Unterarm ziert unschwer erkennen lässt - ein großer Fan von David Lynch und dessen Werken.
    Und gemäß der Filme seines großen Vorbilds scheut sich auch Anwar nicht davor den Erwartungen der Zuschauers keine Beachtung zu schenken und ihnen den symbolischen Stinkefinger zeigt - Anwar scheint sich einfach einen feuchten Kehricht zu scheren ob seine Filme vermarktbar sind und den gängigen Konventionen entsprechen.
    Dieser Lynch'sche Einfluß macht sich bei MODUS ANOMALI auch bei der Kameraarbeit oft bemerkbar und sind sichtlich vom Vorbild beeinflußt.
    Auch wenn manche Kameraeinstellung und Bilder anmütig aussehen versprühen sie zugleich auch eine groteske Subtilität und wirken leicht Bizarr.


    Beim gängigen Backwood Horror ist das Sujet ja meist doch sehr klischeebeladen und biete in der Erzählstruktur nichts neues - eine Person oder Gruppe will von A nach B, nimmt eine Abkürzung und/oder gerät in eine Konfliktsituation mit einheimischen Hinterwäldlern und Ziel ist es von dort lebend zu entkommen und wieder auf den rechten Weg zu finden - von dieser gängigen Erzählstruktur und Storyentwicklung löst sich Anwar völlig los.
    Hier wird der Zuschauer mitten ins Geschehen geworfen und ist genauso planlos wie der Hauptakteur - zusammen mit dem Darsteller muss der Zuschauer nun herausfinden was geschehen ist.
    Auf eine Einleitung - wie es sonst meist üblich ist - wird hier gänzlich verzichtet und man weiß nicht wie der Identitätslose in den Wald kam, was dem Film sehr gut tut.
    Dadurch bekommt die Location nämlich eine endlose Weite und eine gewisse Aussichtslosigkeit stellt sich ein und nur die Holzhütten geben einen einen Moment lang das Gefühl das es dort doch so etwas wie Zivilisation gibt - dieses Gefühl von Zivilisation wird aber auch schnell wieder zunichte gemacht und verstärkt letztednlich das Gefühl der Einsamkeit nur.
    Sicherlich ist MODUS ANOMALI kein vollends perfekter Film und es gibt einige kleine Makel, wie die zum Teil unschlüssigen Handlungen der Darsteller - nichts desto trotz hat man es hier aber mit einem gelungenem Genrebeitrag aus einem Land welches noch recht unbefleckt in Sachen Horror ist.


    MODUS ANOMALI wirkt wie ein großes Puzzle das zusammengesetzt werden muß und der Regisseur wirft dem Zuschauer immer nur einzelne Teile vor, die es gilt einzufügen.
    Diese Erzählstruktur macht sich auch bei der Kameraarbeit bemerkbar und vermittelt dem Zuschauer die meiste Zeit über das Gefühl als unsichtbarer Beobachter die ganze Zeit sehr nah oder Mitten im Geschehen dabei zu sein.
    Atmosphärisch ist MODUS ANOMALI als wirklich gelungen zu bezeichnen und auch die Story kann überzeugen - nach 30 Minuten macht es zwar erst den Anschein als würde der Film doch noch im klischeehaftigen Backwood-Slasher Genre untergehen, doch dem ist dann zum Glück nicht so.
    Der Zuschauer bekommt nämlich zum Ende hin noch eine Storytwist der sich sehen lassen kann, auch wenn einige diesen Twist eventuell als zu vorhersehbar abtun werden.
    Da man aber als Zuschauer bei MODUS ANOMALI die ganze Zeit über gefordert wird und miträtselt, bleibt aber im Endeffekte nicht viel Zeit und Luft - genau dies lenkt den Betrachter davon ab den Twist so kommen zu sehen wie er dann am Ende eintritt.


    Bei den Spezialeffekten hat man gänzlich auf CGI verzichtet und auch gute, handgemachte FX gesetzt, welche realistisch und überzeugend aussehen.
    Doch um Blut en Masse und grafische Gewalt und Härte geht es hier nicht primär, auch wenn es doch einige deftig-derbe Szenen zu begutachten gibt.


    In erster Linie ist MODUS ANOMALI aber minimalistisches Angstkino, ein perfides Verwirrspiel, welches zum Teil an das französische Terrostück THEM oder auch FUNNY GAMES erinnert.
    Ich bin mir sicher das grade die Fans des gängigen und maßgeschneiderten Hinterwald-Horrors hier ihre Probleme haben könnten, aber Leute die klassische, spannende und beklemmende Kost mögen werden hier ihren Gefallen darn finden.




    7,5 von 10 Holzhütten